Filmische Performancelecture und Filmscreening
Eye of the Mountain. Counternarratives of the Borderlands
2.12., 19:00
Eintritt frei
Filmische Performancelecture von Melanie Manchot und Matěj Strnad sowie Filmscreening von Rosa Barba, Barbora Mrázková und Shanta Nepali.
Kuratiert und moderiert von Hana Janečková
Die Veranstaltung Eye of the Mountain betrachtet Berge als liminale Räume, in denen durch geografische Verschiebungen, historische Traumata und die Klimakrise andere Vorstellungen von Zeit und Bewegung entstehen.
Das Programm wurde von der Künstlerin und Filmemacherin Melanie Manchot, dem Filmhistoriker, Theoretiker und Kurator Matěj Strnad (Národní filmový archiv, Prag) sowie der Kunsthistorikerin und Kuratorin Hana Janečková (Akademie der Bildenden Künste, Prag) konzipiert.
Ausgehend von umfangreichen künstlerischen Recherchen zeichnet das Programm die konfliktreichen Geschichten des Kalten Krieges nach, die sich in Berge und Expeditionen eingeschrieben haben. Es beleuchtet den Lithiumabbau an der deutsch-tschechischen Grenze und untersucht darüber hinaus die Beziehungen zwischen den Rechten der Erde und Fragen von Erinnerung, Gemeinschaft und Trauer. Dabei entwirft es Gegenerzählungen zu einem anthropozentrischen Verständnis von Bergen und rückt ökologische Perspektiven als Gegenentwürfe zu vorherrschenden Narrativen von Eroberung, Ausbeutung und Kolonialität in den Fokus.
Programm
One Day as a Tiger
Eine neue Filmische Performancelecture von Melanie Manchot und Matěj Strnad, 50 Min, gefolgt von einem Q & A von Hana Janečková
Dhye Dreams
Shanta Nepali, (2023), (20 Min, Nepali und Tibetisch mit englischen Untertiteln)
Sky Does Appear to be Falling
Barbora Mrázková, (2023), (12 Min, Tschechisch mit englischen Untertiteln)
Outwardly from Earth's Center
Rosa Barba, (2007), (23 Min, Englisch und Schwedisch mit englischen Untertiteln)
One Day as a Tiger
Im Mai 2026 jährte sich zum fünfzigsten Mal der Tag, an dem Melanie Manchots Halbbruder Karel Schubert als erster tschechischer Bergsteiger den Gipfel des Makalu erreichte, eines der höchsten Berge der Welt. Er kehrte nie zurück. Im Mai 2026 reiste Manchot selbst zum Makalu und folgte den Spuren Karels. In der neuen Performance Lecture für das KINDL führt sie Materialien, die sie im Himalaya gesammelt hat, mit Matěj Strnads Recherchen zu seltenem Filmmaterial aus tschechischen und slowakischen Archiven zusammen. Spekulatives Erzählen dient dabei als dynamische Erzählform, die Berge mit Fragen der Identitätsbildung, der ökologischen Krise und historischer Traumata verbindet.
Dhye Dreams
Shanta Nepali, (2023), (20 Min, Nepali und Tibetisch mit englischen Untertiteln)
Dhye Dreams erzählt vom Leben dreier Frauen – Sonam Sangmo, Kunchok Dolkar und Lhakpa Choezon – in den abgelegenen tibetischen Dörfern der Region Upper Mustang in Nepal. Der Klimawandel hat die Landschaft ausgetrocknet und den Grundwasserspiegel drastisch absinken lassen, sodass das jahrhundertealte Dorf Dhye aufgegeben werden musste. Die meisten Bewohner*innen sind in die neu entstandene Grenzstadt Chambaleh gezogen. Kunchok und Lhakpa hingegen entscheiden sich, mit ihrem Vieh und ihren Feldern in den Bergen zu bleiben. Ihre Geschichten zeugen von der Widerstandskraft und dem Überlebenskampf abgeschiedener Dörfer im Himalaya angesichts des dramatischen Klimawandels.
Sky Does Appear to be Falling
Barbora Mrázková, (2023), (12 Min, Tschechisch mit englischen Untertiteln)
Sky Does Appear to be Falling dokumentiert die Geschichte des Berges Cínovec an der tschechisch-deutschen Grenze, unter dem ein Lithiumvorkommen liegt, aus dem Millionen Tonnen Erz gefördert werden sollen. Der Film wird aus der Perspektive der Öffentlichkeitsarbeit eines internationalen Konzerns erzählt, der die Recherchen der Künstlerin zur Korruption im Zusammenhang mit dem Verkauf öffentlichen Grundbesitzes an private Eigentümer gegenübergestellt werden.
Outwardly from Earth's Center
Rosa Barba, (2007), (23 Min, Englisch und Schwedisch mit englischen Untertiteln)
Als einer der frühen Filme über den Klimawandel zeigt Outwardly from Earth's Center eine fiktive Gesellschaft auf einem gefährdetes Stück Land, das zu verschwinden droht. Um das individuelle und gesellschaftliche Überleben zu sichern, ist gemeinschaftliches Handeln erforderlich. Der Schauplatz nimmt Bezug auf Gotska Sandön, eine schwedische Insel in der Ostsee, die sich jährlich um etwa einen Meter verschiebt. Ausgehend von dieser Konstellation entwickelt sich der Film zu einem zunehmend abstrakten und absurden Bild des Kampfes und der Verletzlichkeit seiner Bewohner*innen.
Biografien
Rosa Barba ist eine italienische bildende Künstlerin und Filmemacherin, die in Deutschland lebt und arbeitet. In ihren Installationen, Skulpturen und Publikationen nutzt sie spekulative Fiktion und die Materialität des Films, um sich mit der Vieldeutigkeit von Realität, Erinnerung und Landschaft auseinanderzusetzen.
Hana Janečková ist Wissenschaftlerin, Autorin und Kuratorin an der Akademie der Bildenden Künste (AVU) in Prag. Sie kuratiert die Ausstellung von Duane Linklater und Tanya Lukin Linklater in der Galerie Rudolfinum und war Kuratorin des tschechischen Pavillons auf der 60. Biennale von Venedig. Ihre Monografie Beyond the Body: Feminist Alliances in Contemporary Art erscheint im Dezember 2026.
Melanie Manchot ist eine international renommierte, in London lebende deutsche Künstlerin. Sie arbeitet mit Film, Fotografie und Performance im Rahmen einer partizipativen Praxis, in deren Zentrum die Performance vor der Kamera steht. In ihrer Filmarbeit, für die sie häufig mit Gruppen und Communities zusammenarbeitet, bewegt sie sich zunehmend an der Schnittstelle von Dokumentation und Fiktion. Dabei entstehen vielschichtige Porträts von Menschen und ihren Lebenserfahrungen.
Bára Mrázková ist eine in Prag lebende bildende Künstlerin und Kunstvermittlerin. Sie beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit den unsichtbaren Prozessen, die der Entstehung zeitgenössischer Fotografien zugrunde liegen. Dabei richtet sie den Blick insbesondere auf den Abbau und die Verarbeitung seltener Mineralien, die in elektronischen Geräten zum Einsatz kommen und überhaupt erst die Entstehung und Wiedergabe dieser Bilder ermöglichen.
Shanta Nepali ist eine in Kathmandu lebende Regisseurin, Produzentin und Kamerafrau. Ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen setzt sie sich mit ihren Filmen dafür ein, marginalisierten Stimmen Gehör zu verschaffen. 2023 erhielt sie den John B. Oakes Award for Distinguished Environmental Reporting.
Matěj Strnad ist audiovisueller Archivar, Dozent und auf die Entwicklung von Archivprojekten spezialisiert. Er leitet die kuratorische Abteilung des Národní filmový archiv in Prag (NFA), wo er kuratorische Projekte in den Bereichen Erwerb, Restaurierung und Präsentation verantwortet. Darüber hinaus berät er freiberuflich Archivprojekte und hat unter anderem mit der National Gallery Prague und der Vašulka Kitchen Brno zusammengearbeitet. Von 2020 bis 2026 war er Vorsitzender der Programming and Access Commission der FIAF (International Federation of Film Archives).
In englischer Sprache
Eintritt frei
Gefördert vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds