Filmscreening
18.7., 16:30 – 19:00
Eintritt frei

Rückblick auf Arbeiten des M1 VideoSpace (2026 – 2020)

Cihad Caner. Demonst(e)rating the Untamable Monster, 2019

HD-Video, 16:11 Min., Türkisch mit englischen Untertiteln

In Demonst(e)rating the Untamable Monster erzählen zwei animierte Figuren von ihren Ausgrenzungserfahrungen. Sie singen, summen und sprechen von ihrer Angst, von Entmenschlichung, vom Recht zu sprechen – und davon, dass sie nicht zum Verschwinden gebracht werden können. Zwischentitel mit Fragen an das Publikum verweisen auf die unterschiedlichen Perspektiven der Sprecher*innen – queere, migrantische, weibliche. Cihad Caner (* 1990 in Istanbul) gelingt so eine eindringliche Auseinandersetzung mit den Mechanismen des Othering sowie mit Möglichkeiten des Widerspruchs dagegen.

Nina E. Schönefeld. RIDE OR DIE, 2024
HD-Video, 30:13 Min., Englisch mit deutschen Untertiteln

RIDE OR DIE wirft ein Schlaglicht auf den Moment der Entscheidung, an dem der radikale Widerstand gegen den politischen Rechtsruck in Europa beginnt. Aus der Perspektive eines Journalistenpaares im Jahr 2039 skizziert Nina E. Schönefeld (* 1972 in Berlin) einen Überwachungsstaat, der mithilfe künstlicher Intelligenz jede Facette des Alltags bestimmt und jeden Dissens niederschlägt. In dieser existentiellen Bedrohungslage schließen sich die Protagonist*innen einer Widerstandsbewegung an. Der im Titel formulierte Imperativ RIDE OR DIE impliziert eine wachsende Radikalisierung mit dem Ziel des politischen Umsturzes. 

Kerstin Honeit. THIS IS POOR! Patterns of Poverty, 2024
HD-Video, 20:04 Min., Englisch und Deutsch mit deutschen und englischen Untertiteln

Anknüpfend an aktuelle Diskurse zur Klassenfrage thematisiert Kerstin Honeit (* 1977 in Berlin) in THIS IS POOR! Patterns of Poverty gesellschaftliche Strukturen, die zu ökonomischer Ungleichheit führen. Gemeinsam mit Mitgliedern des Berliner Straßenchors und ihrer Familie lässt sie „Dekore der Armut“ aus ihrem familiären Interieur auf die Architektur des Steglitzer Kreisels treffen – einer Bauruine der Luxusimmobilienspekulation in Berlin, die in ihrer Vergangenheit als Standort des Bezirksamtes auch Vergabestelle von Sozialhilfe war. 

Rhys Hollis, Andrea Baker, Divine Tasinda & Kheanna Walker. OMOS, 2022
Video, 20:16 Min., Englisch mit englischen Untertiteln

OMOS würdigt mit Bezug auf Shakespeares Ein Sommernachtstraum Schwarze Darsteller*innen am schottischen Hof des 16. Jahrhunderts. Die Schauplätze – der Wald von Puck’s Glen und Stirling Castle – verweisen auf eine historische Aufführung für König James VI., bei der ein Löwe einen Wagen durch die Große Halle des Schlosses ziehen sollte. Als zugefährlich verworfen, zog den Wagen schließlich ein ungenannter Schwarzer Mann – einer von vielen Schwarzen Darsteller*innen am schottischen Hof. OMOS, ursprünglich ein Akronym für den Ausspruch „O monstrous! O strange!“, erweiterte sich im Laufe des Projekts zum Ausdruck „Our Movement, Our Stories“. 

Rhys Hollis (* in London) / Andrea Baker (* USA) / Divine Tasinda (* in Kinshasa) / KheannaWalker (* in Montreal)

Gernot Wieland. Turtleneck Phantasies, 2022
Super 8 / HD-Video, 17:36 Min., Englisch mit englischen Untertiteln

Fragmentarisch zieht sich das Gedicht Turtleneck Phantasies durch den gleichnamigen Film von Gernot Wieland (* 1968 in Horn, AT). Es stammt von einem Mann, dessen Lebensgeschichte den Ausgangspunkt der Arbeit bildet: Geboren kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, arbeitete er als Matrose auf einem britischen Frachtschiff.Nachdem er in den 1980er Jahren ein Schiffsunglück durchlitt, wurde er stark traumatisiert zunächst in einer Klinik in England und später in einem West-Berliner Heim untergebracht. Dort begann er, Wörter, Texte und Bilder in die Haut seiner Mitpatient*innen zu tätowieren. Das Tattoo durchzieht Wielands Film leitmotivisch – als schützende zweite Haut, Ankerpunkt und Medium der Neuorientierung nach traumatischen Erfahrungen.

Eli Cortiñas. Walls Have Feelings, 2019​
HD-Video, 13:10 Min., Englisch mit deutschen Untertiteln

Eli Cortiñas (* 1979 in Las Palmas, ES) verwendet in ihren Videoarbeiten gefundenes Material aus Filmen, YouTube-Videos, Werbung, Animationen und Bildarchiven, das sie vervielfacht, rhythmisiert und neu vertont. In Walls Have Feelings befasst sie sich unter anderem mit den Konzepten von Arbeit und Wertschöpfung und entwirft ein dystopisches Bild unserer Gegenwart. Dabei befragt sie Architektur als Erscheinungsform und Instrument politischer Macht sowie die Rolle vermeintlich unschuldiger Objekte und Interieurs in ihrer Funktion als stumme Zeugen, Bewahrer und Verstärker von Macht.

Basir Mahmood. Good ended happily, 2018
HD-Video, 13:05 Min., Urdu mit englischen Untertiteln

Ausgangspunkt für Good ended happily ist das Interesse von Basir Mahmood (* 1985 in Lahore) an den Produktionsprozessen der Filmindustrie. Den Filmdreh überließ er einer Crew aus „Lollywood“ in Lahore – einst eine der größten Filmindustrien der Welt, heute nur noch eine Randerscheinung in Pakistans Kulturlandschaft. Die einzige inhaltliche Vorgabebestand darin, dass die Ereignisse um den Tod des Al-Qaida-Führers Osama bin Laden kreisen sollten. Indem Mahmood die Anweisungen von Regie, Kamera und Regieassistenz hörbar macht, legt er den Produktionsprozess offen, der im Verlauf des Films eine eigene Realität entwickelt.

Ann Oren. Passage, 2020
16mm-Film übertragen auf HD-Video, 12:48 Min., ohne Sprache 

Passage handelt von eine*r Geräuschemacher*in, die an einem Film über ein Dressurpferd arbeitet. Mit ihrer Videoarbeit zeichnet Ann Oren (*1979 in Tel Aviv) sowohl ein Porträt des Pferdekörpers als auch der Geräuschemacher*in und verweist damit zugleich auf EadweardMuybridges frühe filmische Bewegungsstudien von Rennpferden. Die Filmfigur – dargestellt von Simon(e) Jaikiriuma Paetau – scheint selbst in einer übergeschlechtlichen Zentauren-Transformation aufzugehen. Auf diese Weise reflektiert die Künstlerin über die Grenzen zwischen dem Humanen und dem Animalischen sowie über die Konstruktion vonGeschlechterrollen und deren Überwindung.